Es ist eines dieser Probleme, das langsam entsteht und irgendwann nicht mehr ignoriert werden kann. Das Wasser läuft zuerst ein bisschen langsamer ab. Dann staut es sich kurz. Und irgendwann steht man nach dem Duschen oder Baden knöcheltief im Wasser. Der Übeltäter ist fast immer derselbe: Haare, die sich über Wochen im Abfluss gesammelt haben.
Der erste Impuls vieler ist, irgendeinen Abflussreiniger zu kaufen. Das Versprechen klingt gut – einfach eingießen, kurz warten, Problem gelöst. Aber wer das schon mal probiert hat, weiß: Es funktioniert oft nur kurzfristig, wenn überhaupt.
Warum Chemie bei Haaren oft nicht reicht
Chemische Abflussreiniger arbeiten mit aggressiven Laugen, die organisches Material anlösen. Bei Fettablagerungen oder Seifenresten funktioniert das ganz gut. Bei einem dichten Knäuel aus Haaren ist die Wirkung aber begrenzt.
Die Lauge löst die äußeren Schichten des Verstopfungsknäuels an, kommt aber nicht tief genug rein, um die gesamte Masse aufzulösen. Das Ergebnis: Der Abfluss läuft kurz etwas besser, aber ein paar Wochen später ist das Problem wieder da – weil der Kern des Knäuels noch sitzt.
Dazu kommt: Häufige Anwendung von aggressiven Reinigern belastet alte Rohre und Dichtungen auf Dauer. Für ein Problem, das sich mechanisch in wenigen Minuten lösen lässt, ist das ein schlechter Tausch.
Mechanisch entfernen – so geht es wirklich
Das wirksamste Werkzeug für Haare im Abfluss ist eine sogenannte Abflussreiniger-Spirale. Das ist im Grunde ein flexibler Draht mit einem Haken oder einer verdrehten Spitze am Ende, den man in den Abfluss einführt und dann dreht. Die Haare wickeln sich um die Spirale und lassen sich herausziehen – als kompaktes, unangenehmes, aber sehr befriedigendes Knäuel.
Das klingt eklig. Ist es auch ein bisschen. Aber es dauert keine fünf Minuten, und danach ist das Problem wirklich gelöst, nicht nur kaschiert.
Wichtig beim Arbeiten mit der Spirale: nicht zu aggressiv drücken, vor allem bei älteren Rohren. Die Spirale soll sich um die Haare wickeln, nicht die Verstopfung tiefer reindrücken. Langsam einführen, ein paarmal drehen, dann langsam herausziehen.
Wer lieber ganz ohne Werkzeug auskommt: Es gibt auch Abflusssiebe aus Silikon oder Metall, die direkt über die Abflussöffnung gesetzt werden und Haare auffangen, bevor sie überhaupt reingelangen. Das ist die sauberste Lösung – vorausgesetzt man leert das Sieb regelmäßig.
Was tun, wenn die Spirale nicht reicht
In manchen Fällen sitzt die Verstopfung tiefer – nämlich im Siphon. Das ist das gebogene Rohrstück direkt unter der Wanne, das eigentlich dazu da ist, Gerüche zurückzuhalten. Haare, Seifenreste und Kalk können sich dort über Monate aufbauen, bis der Abfluss kaum noch funktioniert.
Für diesen Fall hilft die Spirale alleine oft nicht mehr. Wer einen hartnäckigen Fall hat oder den Abfluss grundlegend reinigen will, findet in der Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Badewannenabfluss-Reinigung eine ausführlichere Vorgehensweise.
Kurz zum Thema Vorbeugung
Wer das Problem langfristig reduzieren will, kommt um ein Sieb fast nicht herum. Die Dinger kosten wenige Euro, passen auf die meisten Standard-Abläufe und sparen auf lange Sicht eine Menge Nerven.
Ansonsten gilt: Lieber einmal im Monat kurz prüfen und eingreifen als alle paar Monate eine echte Verstopfung aufdröseln. Der Aufwand ist deutlich geringer – und das Wasser läuft sauber ab.